Land: Japan
Besetzung:
Sie ist noch längst keine 30 Jahre alt, aber die japanische Wunderpianistin Hiromi Uehara kann bereits auf erstaunliche Erfolge und vielerlei Auszeichnungen zurückblicken. Bereits ihr Debütalbum „Another Mind“ geriet 2003 zum Sensationserfolg, erreichte in ihrer Heimat Gold-Status und wurde als Jazzalbum des Jahres ausgezeichnet. Hiromi, die seit ihrem 12. Lebensjahr live auftritt, bestach seinerzeit und besticht noch immer durch ihr technisch äußerst versiertes, dabei immer abenteuerlustiges und komplexes Tempospiel, das sich durch keinerlei Schubladendenken oder Genrekategorien beirren lässt. Chick Corea und Ahmad Jamal erkannten früh das ungewöhnliche Talent der Pianistin und förderten sie nach Möglichkeiten. Zumindest in den USA, wo sie seit einigen Jahren lebt, wird Hiromi als Popstar unter den Jazzmusikerinnen der jüngeren Generation gehandelt. Allerdings mit einer Musik, die so rein gar nichts vom harmlosen Soft-Folk-Jazz einer Norah Jones, einer Katie Melua oder auch einer Diana Krall hat. Eher schon kokettiert sie, die sich für Oscar Peterson ebenso zu begeistern weiß wie für Franz Liszt, für Ahmad Jamal so wie für Miles Davis, durchaus ernsthaft mit dem (schweiß-)treibenden Powerplay des Fusion-Jazz der Mittsiebziger Jahre. Dass sie auch King Crimson und Dream Theatre mag, passt gut ins Bild, wenn man ihr aktuelles Album „Time Control“ hört: Akustische Artistik auf höchstem technischen Niveau und mit einer mitreißenden Dynamik, die denkbare Grenzen zwischen Jazz, Rock und Klassik im Wortsinne spielerisch überwindet oder schlicht negiert. Insofern kann Hiromi Uehara fast schon als Aushängeschild einer jungen, bestens ausgebildeten Musikergeneration gelten, die sich um altmodische Reinheitsgebote nicht länger schert, sondern einfach alle Musiken in den Ring zu werfen versteht, die sie selbst gerne hört.