Schedule Symposium SEISMOGRAPHIC CRITICAL THINKING

SEISMOGRAPHIC CRITICAL THINKING
Discussions about being Jewish in Germany today

10.00-10.10 Welcome
Prof. Dr. Werner Arnold, Rector of “Hochschule fuer Juedische Studien
Heidelberg“
Rainer Kern (Founder and Director Enjoy Jazz)

10.10-10.30 Keynote
David Witzthum (Israeli TV journalist and book author)

10.45-11.45 “Migration/Identities. What does being Jewish in Germany means
today?”
Panel I: Mirna Funk (host), Garry Fischmann (actor), Alexander Iskin (artist),
Rabb. Prof. Dr. Birgit E. Klein (Hochschule fuer Juedische Studien Heidelberg)
12.00-13.00 “Seismographic Critical Thinking. A Jewish tradition and its relevance
to the current crises”
Panel II: Amy Goldberg (host), Alexander Shapiro (consultant) , Janusz E.
Pawelczyk-Kissin (Rabbi and Cantor of the Jewish Community Heidelberg),
Prof. Dr. Frederek Musall (Hochschule fuer Juedische Studien Heidelberg)
13:00-14.00 Lunch
14.00-15.00 “The New Jewish Sound In Germany”: Reading (German; English summary)
& Discussion (English)
Panel III: Yuriy Gurzhy (host), Vivian Kanner (singer, actress), Mark
“Stempenyuk” Kovnatskiy (violinist, composer), Myriam Halberstam (Ariella
Publishers)
15.00-15.30 Coffee break
15.30-15.45 Conclusion
Rainer Kern
16.00-17.00 Concert
Julie Sassoon, solo piano

Allen Blairman verstorben. Die Legende aus der Nachbarschaft

Die Nachricht hat uns zutiefst geschockt. Alan Blairman, der, das darf man wohl so sagen, große globale Heidelberger Schlagzeuger amerikanischer Herkunft ist tot. Es gibt zwei Arten, seine Meisterschaft in Worte zu fassen. Die eine ist, einfach nur aufzuzählen, mit wem er im Laufe seiner langen Karriere zusammengespielt hat. Hier aus Platzgründen nur einige Namen, die uns allen durch Enjoy Jazz bestens vertraut sind: Charlie Haden, Archie Shepp oder Karl Berger. Näher kommt man diesem großen spirituellen Geist in seiner tief verankerten Menschlichkeit aber, wenn man sich an die persönlichen Begegnungen mit ihm erinnert. Er hatte bei Gesprächen, zum Beispiel im Café, gerne ein Paar Schlagzeugstöcke dabei und erläuterte seine auch außermusikalischen Ideen gerne und mit größter Selbstverständlichkeit rhythmisch auf der Tischplatte. Wenn ihn die Menschen an den umliegenden Tischen daraufhin irritiert anblickten, lächelte er und sagte dadurch wortlos: „Ich kann nicht anders. Und in euch steckt er auch, dieser ewige Rhythmus“. Und irgendwie haben es dann alle verstanden. Wir werden diesen großen Schlagzeuger und unvergleichlich herzlichen Menschen, der im „Trio Variety“ eine letzte musikalische Heimat gefunden hatte, schmerzlichst vermissen.

Neue Nachholtermine

Ersatztermin für das Solo Piano Konzert von Michael Wollny in der Christuskirche Mannheim: Am Samstag, den 31. Juli beschließt der Jazzpianist die letztjährige Festivalausgabe. Alle Tickets behalten ihre Gültigkeit. Für die Zusatzshow um 17 Uhr gibt es noch wenige Restkarten.
Sa. 31.07.2021, Beginn 17 Uhr: Zusatzshow, Resttickets verfügbar
Sa. 31.07.2021, Beginn 20 Uhr: ausverkauft

Auch das im letzten Jahr geplante Konzert „Die Motives des Richard W.“ mit den Musikern Lömsch Lehmann, Matthias TC Debus und Erwin Ditzner wird am 20. Juli auf der Open Summer Stage des Kulturzentrums dasHaus Ludwigshafen nachgeholt. Das Konzert wird mit Mitteln aus dem Fonds der Bundesregierung NEUSTART KULTUR gefördert und ist kostenlos. Bereits gekaufte Tickets werden in Kürze von Reservix rückabgewickelt.
Do. 20.07.2021, Beginn 19 Uhr: Summer Stage Kulturzentrum dasHaus Ludwigshafen,
Eintritt frei.

Jon Hassell verstorben

Mit dem Trompeter und Komponisten Jon Hassell ist einer der einflussreichsten Innovatoren und Inspiratoren neuer Musikstile und -techniken im Alter von 84 Jahren verstorben. In der Region wird vor allem sein grandioses Enjoy-Jazz-Konzert 2006 in der Alten Feuerwache in Erinnerung bleiben. Hassell hat mit seiner Elektrifizierung nicht nur das Klangbild der Trompete maßgeblich erweitert und damit Türen für Musiker wie Nils Petter Molvaer aufgestoßen. Er hat mit seiner als „Fourth World“ bezeichneten mikrotonalen Klanggestaltung zu einem völlig unikaten Spiel gefunden, in dem sich, ästhetisch verdichtet durch elektronische Ausdrucksformen, die Sinnlichkeit der menschlichen Intuition idealtypisch widerspiegelt. Er war außerdem ein bedeutender Geburtshelfer für Ambient und World Music. Nichts macht seine übergroße Bedeutung deutlicher als die Liste der Musiker, mit denen der Stockhausen-Schüler gearbeitet hat, darunter Terry Riley, Brian Eno, Moritz von Oswald, David Sylvian, Ry Cooder, Jan Bang, Nana Vasconcelos, Peter Gabriel oder Bill Laswell. Wie so viele Jazzmusiker vor ihm konnte er zuletzt seine Behandlungskosten im Land der einstmals unbegrenzten Möglichkeiten nicht mehr selbst tragen. Vor gut einem Jahr hatte seine Familie daher mit Unterstützung von Weggefährten wie Brian Eno zu Spenden aufrufen müssen. Am 26. Juni 2021 ist Hassell verstorben. Seine wegweisende Energie wird nicht nur dem Jazz fehlen.

Trauer um Michael Hilprecht, Enjoy Jazz Bigband-Leader

Die Enjoy Jazz Schulbigband trauert um einen ihrer Mitbegründer, Michael Hilprecht. Seit 2012 hat er als Bandleader gemeinsam mit Peer Hübel, Peter Jacob und der Band große Erfolge gefeiert. Durch seine Begeisterungsfähigkeit und sein Engagement trug er viel dazu bei, dass die Band nun da steht wo sie ist: Sie ist aus dem Festival nicht mehr wegzudenken.
Michael, wir vermissen dich und wir trauern um dich. Du hast im Bewusstsein deiner Krankheit immer noch alles für diese Band gegeben und dann noch zwei großartige Konzerte mit uns erleben dürfen.
Ruhe in Frieden!

Die Enjoy Jazz Schulbigband setzt sich zusammen aus den talentiertesten Schülern und Schülerinnen des St. Raphael-Gymnasiums in Heidelberg, des Johann-Sebastian-Bach-Gymnasiums in Mannheim sowie des Max-Planck-Gymnasiums in Ludwigshafen und ist elementarer Bestandteil der Enjoy Jazz Jugendarbeit in Kooperation mit der BASF SE.

Matthias Spindler gestorben

Der Journalist und Historiker Matthias Spindler ist tot. Er war für seine zahlreichen Rundfunk-Features zum Thema Jazz ebenso bekannt wie für seine ausgesprochen kenntnisreichen und dabei stets fein ausbalancierten Musikkritiken, die in Fachzeitschriften und Tageszeitungen erschienen. Und dieser Pionier des Privat-Rundfunks hatte noch eine zweite Leidenschaft: die Geschichte. Als studierter Historiker verschrieb er sich der Erforschung des Separatismus in der Pfalz. Sein letzter von zahlreichen Beiträgen über Enjoy Jazz im „Mannheimer Morgen“ beschäftigte sich passenderweise mit einem historischen Ereignis: dem vermutlich bundesweit letzten Live-Konzert vor dem November-Lockdown 2020 und damit der ersten Unterbrechung in der über 20-jährigen Geschichte unseres Festivals. Mit Matthias Spindler hat der Jazz einen interdisziplinär denkenden und empathisch schreibenden Wegbegleiter verloren. Seine leidenschaftliche Fähigkeit zu einer klugen, immer mehrdimensionalen Kritik wird fehlen. Und zwar sehr. Unsere Gedanken sind bei denen, deren Privileg es war, diesen wunderbaren Journalisten und immer neugierig gebliebenen Menschen noch besser zu kennen als wir.

Foto: Manfred Rinderspacher

Happy Birthday, Peter Brötzmann!

Innovator ist ein großes Wort. Für Peter Brötzmann aber ist es eher noch eine Nummer zu klein. Gerne wird dieser unaufhörlich substanzielle kreative Funken sprühende Saxofonist als „experimentierfreudig“ beschrieben. Genau genommen ein Missverständnis: Er ist nicht experimentierfreudig, er selbst ist das Experiment – ein nie versiegender originärer Quell des Anderen. Im Grunde ist Brötzmann bis heute Avantgarde geblieben. Was übrigens niemand mehr bedauert als Brötzmann selbst, der in der Tat zu jener Handvoll europäischen Musiker gehört, die in ihrem Schaffen weit mehr Impulse gegeben als erhalten haben. Brötzmann wird heute 80. Die größte denkbare Ehrung ist diesem bedeutenden Universal-Künstler (Brötzmann ist auch als bildender Künstler erfolgreich) bereits vor vielen Jahren zuteil geworden. Er wurde mit dem Verb „brötzen“ im deutschen Sprachschatz verewigt. Wir bedanken uns für unvergessliche Abende bei Enjoy Jazz, denen hoffentlich bald weitere folgen werden, und verneigen uns voller Respekt!

© Hans van der Linden