Pays: USA
Cast
Jazzmusiker waren immer ein integraler Bestandteil globaler Bewegungen, die autoritäre Hierarchien auf allen Seiten der durch den Kalten Krieg getrennten Welt herausgefordert haben. Ob man dabei an Botschafter des Jazz wie Louis Armstrong, Dizzy Gillespie und Duke Ellington denkt, deren heiterer Gleichheitssinn die Jazz-Tourneen des amerikanischen Außenministeriums auf gewisse Weise konterkarierten – und von Propaganda-Veranstaltungen zu einem freigeistigen Austausch von Ideen verwandelten. Oder ob man Musiker wie Charlie Haden, Abdullah Ibrahim und Carla Bley im Sinn hat, die allesamt die emanzipatorischen Bewegungen der späten sechziger bis hinein in die achtziger Jahre unterstützt haben und sich wenig um die Leitlinien der politischen Agenda scherten. Die universale Sprache der Musik und die grenzüberschreitenden Vorstellungen der Musiker ließen sich kaum ideologisch vereinnahmen. Wenn man das in Betracht zieht, sagt die Historikerin Penny von Eschen, könne man kaum davon sprechen, dass „Jazz den Kalten Krieg gewonnen hat“. Oder eben doch, in einem anderen Sinn. Penny von Eschen, die Geschichte und Amerikanische Kulturgeschichte an der Universität von Michigan lehrt, wird beim Vortrag am Heidelberg Center for American Studies ihre Thesen vorstellen, die sie unter anderem in dem Buch „Satchmo Blows Up the World: Jazz Ambassadors Play the Cold War“ entwickelt hat. Das HCA und Enjoy Jazz setzen mit diesem Vortrag ihren transatlantischen Jazz-Dialog fort.