Land: Deutschland
Besetzung:
Julia Hülsmann: p
Marc Muellbauer: b
Heinrich Köbberling: dr
Wir wollen nicht soweit gehen zu sagen, Julia Hülsmann werde hierzulande unterschätzt. Im Gegenteil: Es ist durchaus einer größeren Allgemeinheit bekannt, dass die Wahl-Berlinerin zu den originellsten Pianistinnen Deutschlands zählt. Ihre konzeptionell und interpretatorisch ehrgeizigen Projekte mit dem Sänger Roger Cicero („Good Morning Midnight“) und den Sängerinnen Rebekka Bakken („Scattering Poems“) und Anna Lauvergnac („Come Closer“) waren ein so großer Erfolg bei Kritikern und Publikum, dass man Hülsmann jedoch vorzüglich als Spezialistin für Vertonungen fremder Texte wahrnahm. Seien es nun Lyrik von Emily Dickinson oder E.E. Cummings oder die Songs von Randy Newman, stets gelangen Hülsmann filigrane Klanglandschaften, die den Worten auf das Delikateste zuarbeiteten – ohne deshalb zur „Begleitung“ zu werden. Trotzdem: Wenn dieser Tage das Album „The End of a Summer“ auf ECM erscheint, dann kann man nach langer Zeit das Julia Hülsmann Trio endlich wieder pur hören. Sparsam, gerade aufs Essentielle reduziert und dabei berührend intensiv geben sich diese Lieder ohne Worte. Und die Schönheit, die das Trio selbst einem tot gespielten Gassenhauer wie Seals „Kiss from a Rose“ zu entlocken versteht, gehört zum Wunderbarsten, was dieser Herbst zu bieten hat.