Land: USA
Besetzung:
Jason Moran : p
Ist nicht alle Kunst Gespräch – nicht nur mit Zeitgenossen, sondern mit all jenen, die früher ihre Spuren hinterlassen haben? Oder wie ist es anders zu erklären, dass ein 13-Jähriger, der klassischen Klavierunterricht genießt, ansonsten aber Hip-Hop liebt, plötzlich vor dem elterlichen Plattenspieler sitzt und von der Exzentrik, dem Rhythmus, der Waghalsigkeit Thelonious Monks aus dem bisherigen Koordinatensystem geworfen wird? Der 13-Jährige ist inzwischen 41, und er hat seine Lektion an diesem Tag vor bald 30 Jahren gelernt: Man muss eigensinnig in die Zukunft stapfen, dabei aber hochachtungsvoll zurückschauen. Jason Moran hat sich nach dem „Round Midnight“-Schock nicht mehr erholt. Er wollte so spielen wie Monk, perkussiv, einfach und komplex zugleich, und er wollte in sich hineinhören, um dort etwas Neues zu entdecken. Das ist ihm gelungen. Moran gehört zu den unverwechselbaren, vielfach ausgezeichneten Jazz-Pianisten dieser Tage. Er hat etliche Platten unter eigenem Namen eingespielt, war und ist bei vielen Musikern – von Charles Lloyd über Cassandra Wilson bis Lee Konitz – mehr als nur ein Sideman. Er liebt Museen und erarbeitet Klang-Bild-Installationen mit Künstlern, experimentiert mit verschiedenen Formen, ehrt an einem Abend Fats Waller, am anderen seinen Lehrer Jaki Byard; spielt mit Bands oder solo – und wenn er alleine am Flügel sitzt, dann ist das ein emphatischer Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, rau, voller Energie und zugleich von fesselnder Beseeltheit.