Land: Deutschland
Besetzung:
Joe Sachse : g
Niemand habe etwas gegen eine gepflegte Beat-Musik, sagte Erich Honecker auf dem 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965. Die hektische, aufpeitschende, westliche Musik begünstige die moralische Zersetzung der Jugend. Hektisch, aufpeitschend, zersetzend – Erich Honecker wollte mit solchen Begriffen nicht nur die Beat-Musik diskreditieren, sondern auch den Jazz. Der war in der ehemaligen DDR ebenso wenig gelitten wie andere subkulturelle Erscheinungsformen der Jugendkultur. Er war zudem fast gänzlich unbekannt. Einer, der den Jazz liebte und seine Interpreten kannte, war der junge Schriftsteller Fritz Rudolf Fries. Mitte der 60er Jahre schrieb er das Buch „Der Weg nach Oobliadooh“, und dieser Roman war nicht nur eine Hommage an Dizzy Gillespie und Charlie Parker, er war selbst Musik, er war sprachspielerisch und leicht und hatte nichts zu tun mit den ästhetischen Doktrinen des „neuen“ Deutschland. 1966 erschien dieses Buch erstmals – im Westen. Im Vortrag des Autors und Jazzliebhabers Helmut Böttiger wird – exakt 25 Jahre nach dem Mauerfall – rund um diesen zentralen Roman ein Bild des Jazz in der DDR entstehen. Der Gitarrist Helmut „Joe“ Sachse, eine Legende des Free Jazz im Osten, unter anderem Mitglied von Doppelmoppel, wird an diesem Morgen mit Helmut Böttiger in einen musikalischen Dialog treten.