Reihe: Eröffnungskonzert I
Land: USA
Besetzung:
Ornette Coleman: as, v, tp
Tony Falanga: b
Al Mac Dowell: eb
Denardo Coleman: dr
Als am 14. Oktober 2005 im BASF-Feierabendhaus in Ludwigshafen nach der Zugabe „Lonely Woman“ das Licht wieder anging, herrschte im Publikum eine ungewöhnliche Mischung aus Euphorie und Dankbarkeit. Selbst abgebrühteste, umtriebigste Hörer („Kenn ich schon, war ich schon, weiß ich schon...“) waren sich sicher, Zeugen eines mitreißend intensiven Konzertes geworden zu sein, das der damals 75jährige Coleman mit seinem originell besetzten Quartett (2 Bässe, teilweise ergänzt durch eine Violine) in bestechender Form zeigte. Als der Konzertmitschnitt 2006 unter dem Titel „Sound Grammar“ veröffentlicht wurde, bestätigte es nachträglich die Erinnerungen an einen famosen Konzertabend voller rasanter Tempo- und Rhythmuswechsel, den die hochkonzentrierten Musiker in einem einzigen Flow bewältigen. Man hat für die aufregend pulsierende Musik Ornette Colemans immer wieder und gerne auch das Publikum leicht abschreckende Schubladen wie „Free Jazz“, „Avantgarde“ oder „Harmolodics“ gefunden, aber live auf der Bühne ist sie zunächst einmal: spannend, originell, überraschend, lebendig. Das sah die Jury des Pulitzer-Preises ähnlich, als sie „Sound Grammar“ als zentrales musikalisches Ereignis 2006 auszeichnete. Aber nach allem, was man so liest (und hört), bewegt sich das Ornette Coleman Quartet aktuell auf erstaunlichem Niveau – und wird offenbar ständig tighter.