An drei Abenden thematisiert der in Berlin lehrende Musikwissenschaftler, Soziologe und Journalist Christian Broecking aktuelle Diskussionen innerhalb der Jazz-Szene. Es werden sowohl der Standpunkt des europäischen Jazz, als auch die neue amerikanische Jazz-Szene und das politische Engagement von Jazzmusikern zur amerikanischen Wahl während des Festivals beleuchtet.
Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends meinte es nicht gut mit denjenigen us-amerikanischen Jazz-Musikern, die sich politisch „links“ artikulieren. Erst die Terroranschläge von 9/11, dann die Wiederwahl von George W. Bush 2004, dann der Untergang von New Orleans in den Fluten von „Katrina“. 2004 wurde Brad Mehldau, Parteimitglied der Demokraten, von einigen Lesern der Jazz Times öffentlich abgemahnt, er möge doch bitteschön seine höchst liberalen politischen Ansichten für sich behalten und sich ganz auf die Musik konzentrieren. Unerhört! Gibt es Jazz-Hörer, die Bush-Wähler sind? Doch die Wahlniederlage von John Kerry wirkte auf die politisch engagierten Musiker lähmend, viele zogen sich frustriert aus der Öffentlichkeit zurück und leckten ihre Wunden. Roy Hargrove etwa äußert sich nicht mehr politisch, weil er nicht glaubt, dass solche Äußerungen etwas bewirken. Mehldau hat dagegen die Anti-Bush-Links von seiner Website entfernt. Gerade rechtzeitig, ist man versucht zu sagen. Andere Musiker wie Dianne Reeves oder James Carter hoffen dagegen bereits auf den ersten farbigen US-Präsidenten. Da es auch hierzulande längst aus der Mode ist, politisch explizit Stellung zu beziehen, kann man ruhig einmal etwas intensiver über das Verhältnis von Jazz und (liberaler) Politik nachdenken. Wissen Sie, wie Till Brönner wählt?