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„You ain’t heard nuthin’ yet!“ Diesen prophetischen Satz sagte Al Jolson in dem Film „Der Jazzsänger“ (1927), sang dazu ein paar Songs und bezeichnete somit das Datum des ersten erfolgreichen Tonfilms. „Wenn das Jazz ist, dann ist jede Broadway-Musik Jazz. Irving Berlins Nummern swingen nicht einmal. Aber immerhin hatte das Wort „Jazz“ jetzt in die Filmgeschichte Eingang gefunden.“ So lapidar steht es in „All that Jazz“, einem zur „Jazz im Film“-Retrospektive 2003 in Locarno erschienenen Katalog. Mag sein, dass „Der Jazzsänger“ kein Meisterwerk der Filmgeschichte ist, mag sein, dass auch die Musik im Film kein Jazz ist. Aber die Geschichte vom jazzliebenden Sohn eines traditionalistischen jüdischen Kantors im New Yorker Ghetto, der an der Westküste Karriere macht und sich dann im entscheidenden Moment als Afro-Amerikaner verkleidet, um seinen ödipalen Konflikt zu lösen, ist kulturtheoretisch allemal hoch interessant. Im Anschluss an die Filmvorführung unterhält sich der Filmkritiker Ulrich Kriest mit dem Schriftsteller, Musiker und DJ Thomas Meinecke über das Blackfacing, den frühen Jazz und die Assimilation des Jüdischen in die US-amerikanische Gesellschaft.